Liebe-Treue-Eifersucht
Doch lasst Raum zwischen euch...
Liebe.
Seid zusammen, doch versucht den anderen nicht zu beherrschen, versucht ihn nicht zu besitzen und zerstört nicht seine Individualität.
Wenn ihr aber zusammenlebt, dann „lasst Raum ..." Der Mann kommt spät nach Hause; es besteht keine Not, keine Notwendigkeit, dass die Frau ihn fragt, wo er gewesen ist, warum er so spät kommt. Er hat seinen eigenen Raum, er ist ein freies Individuum. Zwei freie Individuen leben zusammen, und keiner dringt in den Raum des anderen ein. Wenn die Frau spät kommt, brauchst du nicht zu fragen: „Wo warst du?" Was maßt du dir an? Sie hat ihren eigenen Spielraum, ihre eigene Freiheit.
Aber das passiert jeden Tag, in jedem Heim. Über Kleinigkeiten streiten sie sich, doch im Grunde genommen geht es darum, dass sie nicht bereit sind, dem anderen seinen eigenen Raum zu lassen.
Und immer diese Fragen ... jedem Mann geht es auf dem Heimweg durch den Kopf: „Was wird sie wieder fragen? Was soll ich antworten?" Und die Frau weiß, was sie fragen wird und was er antworten wird. Und die Antworten sind immer falsch, erfunden. Er macht ihr etwas vor.
Welche Art von Liebe ist das, die immer misstrauisch ist, immer Angst vor der Eifersucht hat?
Wenn dich deine Frau mit einer anderen Frau trifft — du brauchst nur zu lachen und dich gut zu unterhalten, das reicht schon, dass sie dir den ganzen Abend verdirbt. Du wirst es bereuen. Das ist zu viel für nur ein kleines Lachen.
Die Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie gar nicht wissen, was Liebe ist.
Liebe
- ist nie misstrauisch, Liebe ist nie eifersüchtig.
- greift nie in die Freiheit des anderen ein.
- Liebe gibt Freiheit.
Freiheit ist nur dann möglich, wenn ihr Raum zwischen euch lässt.
Liebe sollte sich freuen, die Frau mit einem anderen glücklich zu sehen, denn Liebe möchte, dass die eigene Frau glücklich sei. Liebe möchte, dass der eigene Mann fröhlich sei. Wenn er mit irgendeiner Frau redet und dabei fröhlich ist, sollte seine Frau glücklich sein — von einem Streit kann gar keine Rede sein. Sie sind zusammen, um sich gegenseitig glücklich zu machen; was aber passiert, ist genau das Gegenteil. Es scheint, Ehepaare sind zusammen, um sich gegenseitig unglücklich und das Leben schwer zu machen. Die Ursache dafür ist, dass sie nicht einmal wissen, was Liebe bedeutet.
Doch lasst Raum zwischen euch...
Das ist kein Widerspruch. Je mehr Raum ihr einander gebt, desto mehr seid ihr zusammen. Je mehr Freiheit ihr einander lasst, desto intimer könnt ihr zusammen sein. Nicht als Intimfeinde, sondern als intime Freunde.
Es ist ein Grundgesetz der Existenz, dass zu viel Zusammensein, ohne Spielraum für Freiheit, die Blume der Liebe zerstört. Jetzt könnt ihr nur noch streiten, herumnörgeln und euch gegenseitig auf die Nerven gehen. Das ist nicht Liebe.
Wieder zu diesen Grundannahmen zurückzufinden.
Liebe ist Freiheit - Nur auf dem Boden von Freiheit und Freiwilligkeit kann Liebe wachsen. Wer aus Angst vor Liebesverlust und Mangel an Selbstwert versucht, die Liebe einzusperren, zerstört die Liebe.
Wirkliche Freiheit gibt es nur in Liebe - Nur wer ein offenes Herz hat ist wirklich frei. Es geht hierbei nur in zweiter Linie um äußere Freiheiten. Innere Freiheit kann ich mir nur geben, wenn ich mich selbst liebe. Wenn ich einen anderen Menschen liebe, werde ich seine Freiheit nicht begrenzen und auch seine Grenzen nicht verletzen.
Treue hat, obwohl sie üblicherweise so definiert wird, nichts mit sexueller Ausschließlichkeit zu tun und bedeutet auch nicht, dass man nur einen einzigen Menschen lieben darf. Treue ist verwandt mit Vertrauen. Wenn Treue so verstanden wird, dass Lust und Liebe nur einem Partner entgegengebracht werden darf, ist Untreue vorprogrammiert, es sei denn, man schottet sich als Paar völlig von der Außenwelt ab.
Das heißt nicht, dass ich alle Lust und Liebe ausleben und wahllos mit jedem ins Bett springen muss. Aber es heißt, dass ich meine Impulse wahrnehmen kann, dass ich mir selbst eingestehen kann, dass es erotische Anziehung und Liebe gibt, überall auf der Welt. Wenn das nicht sein darf, machen sich Heuchelei und Heimlichkeiten breit, die nur allzu oft um das Thema Treue herum anzutreffen sind.
Eifersucht ist das vielleicht Unerträglichste und qualvollste aller Gefühle. Der Eifersüchtige ähnelt einem Verhungernden, dem eine Rebe wohlschmeckender Trauben vor die Nase gehalten wird, die verschwindet, sobald er danach greifen will. Dort wo Eifersucht ist, ist keine Liebe.
Ein Vogel hört auf zu singen, sperrst du ihn erst einmal ein.
Den, wenn ein Nest zum Käfig wird, ist es schwer, dein Freund zu sein.